Parasiten bei Schlangen


Viel zu selten wird über Krankheiten berichtet. Viel zu oft wird dieses Thema totgeschwiegen. Viel zu oft werden Facebookeinträge, Foreneinträge nach Parasiten bei Schlangen abgeschmettert mit "Geh zum Tierarzt" oder "Frag doch einfach deinen TA!".

 

Die Häufigsten Parasiten möchten wir hier beschreiben. Das soll jedoch keine Aufforderung sein, den Besuch beim reptilienkundigen Tierarzt zu unterlassen! Wir übernehmen keine Haftung über eigenmächtig erfolgte Behandlungen!


Ektoparasiten

Um einen Feind erfolgreich bekämpfen zu können, muss man den Feind kennen. Somit ist es auch unumgänglich, die Parasiten zu kennen, die eine Schlange befallen können. Unter Ektoparasiten versteht man die "unerwünschten Gäste", welche auf der Schlange drauf leben. Parasiten, die sich also äusserlich sichtbar bewegen.

Die Schlangenmilbe - Ophionyssus natricis


Lebenszyklus
Die Schlangenmilbe hat fünf Entwicklungsstadien: das Ei, die Larve, zwei Nymphenstadien und das adulte Tier. Vom Ei bis zur Larve dauert es je nach Temperatur 1-4 Tage. Die Larve bewegt sich kaum, braucht etwa 1-2 Tage, um die Häutung zur Nymphe zu vollziehen. Das erste Nymphenstadium (Protonymphe) dauert 4-14 Tage, in dieser Zeit braucht die Schlangenmilbe eine Blutmahlzeit, um sich zur nächsten Nymphe (Deutonymphe) zu häuten. Nur einen Tag nach der Häutung entwickelt sich die Milbe zum Adult-Stadium.

Von Ei zur ausgewachsenen Schlangenmilbe dauert es also zwischen 6 und  20 Tagen.

 

Vermehrung

Eine einzige weibliche Schlangenmilbe reicht aus, um die Plage zur Vermehrung zu bringen. Eine adulte weibliche Schlangenmilbe kann ohne Blutmahlzeit / Paarung ein Gelege legen (10-25 Eier), aus dem nur Männchen schlüpfen. Findet die weibliche Schlangenmilbe eine Blutmahlzeit bzw ein Männchen, schlüpfen aus dem Gelege ausschliesslich Weibchen. Und so vermehrt sich der Parasit massiv exponential.

 

Lebensbedingungen / Beweglichkeit

Die Schlangenmilbe benötigt ein relativ feuchtes Klima von ca 70-90% Luftfeuchtigkeit. Die Tiere halten Temperaturen von 5 - 45 Grad Celsius aus. Die Milben leben unter Idealbedingungen 40 Tage lang. Ohne Blutmahlzeit sterben sie nach rund 32 Tagen.

 

Die Tiere legen 1,5 - 2 Meter pro Stunde zurück.

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Diagnose / Erkennung am Tier

Die Schlangenmilbe ist auf der Schlange zu sehen als winziger, meist schwarz glänzender Punkt. Die Parasiten sind 1,5 - 2 mm gross, man erkennt sie also durchaus mit blossem Auge (zumindest die Weibchen).

Schlangenmilben verstecken sich am liebsten an folgenden Orten: Augen, Maulwinkel, Kieferunterseite, Kloakenbereich. Bei Schlangen mit Grubenorganen auch in den Gruben!

Befallene Schlangen halten sich bevorzugt im Wasser auf, oder scheuern sich an Gegenständen, um die Parasiten los zu werden.

Ein massiver Befall führt zu Blutarmut, bakteriellen Infektionen, Entzündungen, Störungen des Häutungsprozesses, sowie bei massivem Befall auch zum Tod. Besonders bei Jungtieren ist dies relativ rasch der Fall.

 

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Bekämpfung

Gleich vorweg ein Warnhinweis: Milbenbehandlungen bitte nur in Begleitung eines Tierarztes durchführen! Die im Handel erhältlichen Mittel können falsch angwendet auch tödlich enden für die befallene Schlange!


Damit die Schlangenmilbe erfolgreich bekämpft werden kann, muss man ihre Vermehrungsfreudigkeit und den Lebenszyklus kennen. Egal ob man natürliche Mittel wie Raubmilben einsetzt oder chemische Mittel, Hauptsache ist, dass die Behandlung lang genug erfolgt.

 

Bei chemischen Mitteln muss darauf geachtet werden, direkt auf der befallenen Schlange (je nach verwendetem Wirkstoff) ca alle 5 Tage zu behandeln. Dies auf Grund des Entwicklungszyklus des Parasiten von mindestens 6 Tagen. Die Behandlung muss dann über einen Zeitraum von mindestens 33 besser bis zu 60 Tage erfolgen (20 Tage Entwicklungszeit plus 32 Tage maximal Lebenszeit adulte Milbe plus einige Tage zusätzlich zur Sicherheit). Zudem muss jeder Terrarienbewohner, jedes Terrarium im gleichen Raum behandelt werden. Dies deswegen, dass sich die Schlangenmilben nicht einfach im nächsten Terrarium breit machen können oder aus dem Terrarium krabbeln und nach "vermeindlich erfolgreicher" Behandlung wieder zurückkehren.

 

Geeignete chemische Mittel sind beispielsweise Clean Kill oder Frontline. Letzteres bitte nur indirekt ans Tier bringen, Kopf nicht mit einreiben (Vergiftungsgefahr!). Indirekt bedeutet, dass das Mittel auf ein Tuch aufgetragen wird und dann mit dem Tuch das betroffene Tier abgerubbelt wird.

 

Nicht geeignete Mittel

Es gibt immer wieder Empfehlungen, die sich zwar von Halter zu Halter weitertragen, aber dennoch nicht geeignet sind, um die Schlangenmilbe zu bekämpfen.

Dazu gehören zb Behandlungsempfehlungen wie Ölbäder und Ungezifersprays (zb. Ardap). Öl sorgt nur dafür, dass die Milben ersticken und Mageninhalt in den Wirt erbrechen (Stichwort Krankheitserreger) und Ungezifersprays sind auf grund dessen, dass der Wirkstoff auch von den Schlangen eingeatmet werden kann, keine gute Idee.




Zecken


Lebenszyklus

Zecken haben vier Entwicklungsstadien. Das Ei, die Larve, die Nymphe, die adulte Zecke. Für drei Entwicklungsstadien braucht die Zecke mindestens eine Blutmahlzeit.

Da es viele Zeckenarten gibt, unterscheiden sich auch die Zeitspannen der Entwicklung. In Bezug auf die Schlangenhaltung in Terrarien ist nur das adulte Stadium nennenswert.

 

Lebensbedingungen

Zecken halten sehr viel aus, jedoch über 40 Grad wird es auch für sie ungemütlich und bei sehr trockener Luft suchen sie sich schnell entweder einen Wirt oder feuchtere Orte.

 

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Diagnose / Erkennung am Tier

Wärend dem männliche Zecken kaum grösser wie 1 mm sind, können Weibchen mehrere Millimeter gross werden. Sehr gut sieht man sie vorallem dann, wenn sie ordentlich vollgesogen sind.

Zecken befallen gerne den Augenbereich, Kloake und bei Schlangen mit Gruben auch diese.

 

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Bekämpfung

Zecken werden in der Regel manuell mittels Zeckenzange entfernt. Hierbei weder drehen (Zeckenrüssel besitzen kein Gewinde) noch knicken, sondern lediglich vorsichtig ziehen. Zur Bekämpfung von Larven oder Nymphen empfehlen sich Mittel wie Clean Kill oder ähnliches.

Bei der Dauer der Behandlung gilt es zu beachten, dass Zecken unter Umständen Jahrelang überleben können. Wenn also eine Zecke auf einer Schlange entfernt wurde, sollte über längere Zeit genau beobachtet werden, ob das Tier weitere Anzeichen eines Befalls zeigt.

 

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Krankheitsüberträger

Zecken sind nicht unbedingt wegen ihres Ektoparasitendaseins gefürchtet, sondern wegen ihrer zweifelhaften Fähigkeit, Krankheiten und Endoparasiten zu übertragen. Ein einziger Zeckenstich (fälschlicherweise oft Zeckenbiss genannt) reicht, um einen wahren Cocktail an Viren, Parasiten und Krankheitserregern auf den Wirt zu übertragen.

 



Endoparasiten

Unrter dem Begriff Endoparasiten verstehen sich die Parasiten, welche im Inneren eines Tieres leben. Da es eine wahre Unzahl an Parasiten gibt, werden wir hier nur die häufigsten beschreiben.

 

Würmer


Beschreibung

Würmer aller Art leben im Verdauungstrakt oder in den Organen des befallenen Tieres. Das heisst, Magen und Darm, Herz, Lunge, Niere etc. Ein Wurm gelangt als Ei in den Körper des Wirtes, dort frisst er die Nahrung des Wirtes mit oder gräbt sich in Organe und Organwände, um den Wirt deutlich zu schädigen.

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Diagnose

Die Schadwirkung von Würmern sind für erfahrene Halter durchaus zu erkennen. Mechanische Schädigung der Darmwände und anderen Organen, äusserlich bemerkbare Verhärtungen, Verstopfung oder veränderter Kot sind die Folge eines Wurmbefalls. Das Wirtstier verliert unter Umständen massiv an Gewicht, erleidet bei fortgeschrittenem Befall auch Entzündungen, zeigt Apetitlosigkeit mit einhergehendem Gewichtsverlust. Das Verhalten des Tieres ändert sich auch deutlich, meist ist eine vermehrtes unruhiges Verhalten zu bemerken. Die Diagnostik läuft hier am besten über die übliche Kotprobe. In dieser werden abgesetzte Eier der Parasiten bemerkbar.

Schlangen in Terrarienhaltung stecken sich oftmals nur über lebende Zwischenwirte wie Nager, Amphibien oder andere Reptilien an. Eine Frostung von Futtertieren reicht häurig aus, um den meisten Parasiten das Wechseln oder Befallen des Wirtes zu verunmöglichen.

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Behandlung

Die Behandlung muss medikamentös erfolgen. Der Tierarzt verabreicht dazu Medikamente, die den Wurm und dessen Larven abtöten. Die toten Parasiten werden dann von der Schlange ausgeschieden.



Flagellaten


Beschreibung

Unter Flagellaten versteht man allgemein einzellige Geisseltierchen. Zoologisch längst veraltet, hat sich der Begriff in der Medizin und in der Terraristik stark etabliert.

Diese Krankheitserreger sind typische Schwäche-Parasiten. Das bedeutet, dass sich eigentlich nur bei geschwächten, gestressten Tieren die immer latent vorhandenen Flagellaten vermehren und die Schlange entsprechend krank machen.

Oftmals sind Flagellaten auch dafür verantwortlich, dass es noch weitere komorbide (begleitende) Erkrankungen gibt. Vielfach ist ein Flagellatenbefall beispielsweise auch verantwortlich für Wachseiern bei Weibchen. Auch Entzündungen, Darmvorfälle und ähnliche Erkrankhungen sind die Folge von Flagellatenbefall.

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Diagnose

Die Diagnose von Flagellaten erfolgt über eine Kotprobenuntersuchung. Im Kot eines befallenen Tieres lassen sich relativ gut mittels Mikroskopie Oozysten und Flagellaten selbst nachweisen.

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Behandlung
Die Behandlung von Flagellaten erfolgt medikamentös. Hierzu muss der Tierarzt ein Mittel (meistens oral) verabreichen.



Kryptosporidien


Beschreibung

Unter dem Begriff Kryptosporidien versteht man die Protozoen (Einzeller) der Cryptosporidium-Arten. Bei Schlangen handelt es sich um die Art Cryptosporidium serpentis, welche medizinisch für Schlangen gefährlich ist und der Befall leider in der Regel tödlich endet.

Die Kryptosporidien, auch gern mal kurz "Cryptos" oder "Kryptos" genannt, nisten sich hauptsächlich in der Magenwand des Wirtes ein, verhärten diese und verunmöglichen es dem befallenen Tier, die aufgenommene Nahrung zu verwerten. Auch ein Befall von Darm(wand), Gallengängen der Leber sowie der Gallenblase ist möglich.

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Diagnose

Die Diagnose erfolgt auf verschiedene Arten. Die übliche Variante über die Kotprobe kann aber auch eine Fehldiagnose zur Folge haben. Denn es gibt nicht nur Cryptosporidium serpentis, sondern auch Warmblüter-Kryptos (oftmals C. parvum von Futternagern). Diese können sich jedoch nicht in einer Schlange vermehren! Daher ist eine klare Sequenzierung der Probe im Labor erforderlich. Der Einzeller kann auch mit einer Magenspülprobe diagnostiziert werden oder per Kloakenabstrich (Nachweis der Oozysten).

Erstes Anzeichen für einen Krypto-Befall ist oftmals das ständige Herauswürgen von Nahrung, welche die Schlange vor 1-3 Tagen verspeist hat. Die Diagnose kann somit auch über das wieder hervorgewürgte Futtertier erfolgen.

Bei fortgeschrittenem Stadium magert die Schlange ab, der verhärtete Magen tritt als "Ballon" sichtbar in der Körpermitte hervor.

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Behandlung

Eine Behandlung ist nur im Anfangsstadium möglich. Hierzu werden vorallem die Symptome behandelt. Eine Antibiotika-Gabe in Verbindung mit leichtverdaulicher Nahrung ermöglicht dem befallenen Tier meistens noch, etwas länger zu leben. In seltenen Fällen leben infizierte Schlangen durchaus über längere Zeit mit dem Befall. Meistens jedoch ist der Befall so stark, dass die Erkrankung nicht mehr behandelt werden kann.


Amöben


Beschreibung

Zu den meistgefürchteten Endoparasiten gehören die Amöben. Diese Parasiten sind jedoch nicht auf Warmblüter übertragbar, stellen somit für den Menschen keine Gefahr dar. Amöben sind nur bedingt krankmachend. Es gibt durchaus Befallsraten, mit denen eine Schlange leben kann (ähnlich wie bei Flagellaten).

Amöben können vorallem bei Riesenschlangen wie Boas Entzündungen des Zentralnervensystems auslösen.

Die Infektion erfolgt oral durch die Aufnahme von Oozysten (Dauereier) über Futtertiere, Wasser oder Einrichtungsgegenstände im Terrarium. Die Parasiten besiedeln Schleimhautzellen und dringen in Gewebeschichten ein. Die Verteilung innerhalb des Körpers erfolgt über die Blutbahn des Tieres. Die Infektion kann sich auf Organe wie Herz, Lunge und auch das zentrale Nervensystem ausbreiten, wo es zu Abszessbildungen führen kann.

Eine ausgebrochene Amöbose ist lebensbedrohlich und schwierig zu behandeln. Erkrankte Reptilien zeigen vorallem Erbrechen, Körpermassenverluste, Durchfälle oder Verstopfung. Der Kot ist schleimig, von gräulicher Farbe und äusserst übel riechend.

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Diagnose

Die Diagnose einer Amöbiose gestaltet sich nicht allzu schwierig. Die Kotprobe muss jedoch möglichst frisch zur Untersuchung gelangen. Nur in der sehr frischen Probe lassen sich Amöben und deren Zysten nachweisen.

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Behandlung

Bei der Therapie von Amöben ist zu beachten, dass es häufig zu Komorbiditäen wie Entzündungen und bakteriellen Infektionen kommen kann. Somit ist eine Antibiotikagabe sinnvoll. Des weiteren empfiehlt sich eine Erhöhung der Temperatur im Terrarium auf mehr als 28 Grad (insofern der Pflegling diese Temperatur aushält!).