Black Jungles


Seit meiner Kindheit bin ich fasziniert von Hybriden. Damals waren es noch seltsame Wesen wie Schiegen (Kreuzung zwischen Schafsbock und Ziegendame), Liger (männlicher Löwe mit weiblichem Tiger) oder, wie es erst vor einigen Jahren von sich reden machte, ein Zorse, ein eglischer Begriff, der ein Zebra-Pferd bezeichnet. In deutsch etwa "Zerd" oder "Zeberd" (weibliches Zebra mit Pferdehengst). Auch Ebras gibt es, männliche Esel, die sich mit einem weiblichen Zebra gepaart haben. Bei derartigen Hybriden, die fast immer "menschengemacht" sind und oftmals gar nicht beabsichtigt sind, wird in der Regel der männliche Teil zuerst genannt, dann der Weibliche. Eine Kreuzung aus Pferdestute und Zebrahengst wäre demnach beispielsweise ein Pfebra, kein "Zorse". Aber Zorse scheint sich weltweit etabliert zu haben (Quelle: Wikipedia: Zebroide, Hybride,  Schiege , Liger).

 

Was bei Säugetieren auf Grund von doch recht extrem unterschiedlichen Chromosomenzahlen meist gar nicht funktioniert und wenn doch, zu infertilen, also unfruchtbaren, Nachkommen führt, scheint bei Reptilien gar nicht so ein grosses Problem zu sein. Auch wenn bei Schlangen, Schildkröten und co doch auch verschiedene Chromosomenzahlen bestehen, gibt es oftmals zeugungsfähige Nachkommen.

Zorse Tierpark Stukenbrock Deutschland (Quelle: Safaripark Stukenbrock: https://www.safaripark.de/safari/tiere-im-safaripark/zebrapferd)
Wohl einer der berümtesten Hybriden: Das "Zorse" des Tierparks Stukenbrock in Nordrhein-Westfalen, Deutschland (https://www.safaripark.de/safari/tiere-im-safaripark/zebrapferd)

Black Jungles - Die Idee

2012 keimte in uns die Idee, es auch mal mit Hybriden zu versuchen. Denn, auch wenn umstritten, so haben Hybriden doch ihren Reiz und auch ihre zahlreichen Fans.

 

Wir überlegten lang, wie wir das angehen sollten, welche Tiere geeignet wären, ob genetisch machbar und ob wir das überhaupt verantworten können. Denn es war uns auch bewusst, dass sich Hybridgegner melden würden und uns in ihrer massiven Intoleranz angreifen würden. Umfangreiche Recherchen ergaben dann, dass es durchaus auch in der Natur Reptilien-Hybriden gibt, dass diese also nicht nur im "künstlichen Habitat" zu finden sind. Schlussendlich entschieden wir uns dazu, unsere Kornnatter-Dame "Amun-Ra" mit unserem wunderschönen schwarzen Prinzen "Shadow" (Lampropeltis californiae "nigrita") zu kreuzen. Denn zu dieser Kreuzung war nichts zu finden, keinerlei Angaben, ob dies schon mal gemacht wurde. Wissenschaftlich betrachtet war das Vorhaben ebenfalls ein Experiment in zweierlei Hinsicht. Wir wussten nicht, wie sich der Melanismus des Nigrita-Vaters auf die Farbenvielfalt der Kornnatter-Mischlingsnachkommen auswirken würde. Ein zweiter Aspekt war es, dass Lampropeltis und Pantherophis eine verschiedene Anzahl Chromosomen in der genetischen Struktur aufweisen. Wir wussten jedoch, dass die so genannten "Jungles" durchaus längst etablierte Hybriden sind. Somit müsste es auch mit nigrita-Mixen funktionieren. Ist doch die nigrita zumindest nach aktueller Taxonomie  (Stand 2016) keine eigenständige Art, sondern lediglich eine melanistische Form der kalifornischen Königsnatter.

 

Nachdem wir uns dazu entschlossen, das Projekt zu starten, mussten wir dann auch nur noch auf die kommende Zuchtsaison warten. Und das Warten hat sich gelohnt!


Projektstart

Im Frühling 2013 dann der Entschluss - Wir ziehen es durch! Amun-Ra wurde frisch gehäutet ins Terrarium von Shadow gesetzt und natürlich auf Grund der tendenziell ophiophagen Veranlagung der Königsnattern aufmerksam beobachtet. Doch Shadow war in keinster Weise daran interessiert, die fast doppelt so schwere Dame zu verspeisen. Im Gegenteil, da Amun-Ra sofort heftig zuckend den Schwanz hob und somit Paarungsbereitschaft signalisierte, machte sich Shadow direkt ans Werk, ohne vorher zu fragen: "Sag mal, bist du eine Königsnatter?"

Kornnatter trächtig
Amun-Ra hochträchtig am 27. April 2013

Die Kornnatter mit einem Gewicht von gut 700 Gramm war fast doppelt so schwer wie ihr Partner. Wärend der Trächtigkeit ergab sich eine Gewichtszunahme von gerade mal 80 Gramm. Bis zuletzt waren wir uns nicht sicher, ob sie trächtig ist.

 

Doch dann folgte die Ablage des 20 Eier umfassenden Geleges....


Eiablage und Brut

Am 10. Mai war es dann soweit. Amun-Ra legte zwischen 10. und 11. Mai im Lauf der Nacht sagenhafte 20 Eier ohne auch nur ein einziges Wachsei mit abzulegen. Ein sensationell überaschend gutes Ergebnis. Der Gewichtsverlust war allerdings beachtenswert. von über 600 Gramm verlor die Dame über 200 Gramm Körpergewicht. Die Eier waren in normaler Kornnatter-Grösse. Keineswegs so, wie es von befreundeten Züchtern angekündigt worden war, dass die Eier "deutlich grösser" sein sollen bei einer Hybridverpaarung mit einer Königsnatter (uns wurde davon abgeraten, die Kornnatter-Dame einzusetzen, wegen dem angeblichen Umstand, dass die Hybrideier grösser wären).

 

Das Gelege wurde dann bei rund 27 Grad Tagestemperatur und einer nächtlichen Absenkung (durch Ausschalten des Inkubators) auf ca 22-24 Grad inkubiert. Wie für jeden (Hobby-)Züchter, war es auch für uns ein spannendes Erlebnis, den Eiern beim Wachsen zusehen zu dürfen. Die letzten Tage vor dem Schlupf schalteten wir den Inkubator komplett aus und überführten das Gelege in ein vorbereitetes Terrarium. So dass die Jungtiere in aller Ruhe schlüpfen konnten.

 

Von Anfänglich 20 Eiern starben zwei im Lauf der Inkubationszeit ab, 17 Tiere schlüpften ohne Hilfe. Das letzte einzeln liegende Ei wurde nach 2 Tagen überfälligkeit von uns geöffnet und als wir ein lebendes Jungtier darin bemerkten, beliessen wir es bei dem einzelnen Schnitt und liessen dem Tier die Zeit, die es brauchte zum Schlüpfen.


Wissenschaftliche Details der Black Jungles

Namensgebung

Wie das auch Wissenschaftler und Taxonomen-Kundige so machen, darf man einer neu entdeckten Art oder Farbform durchaus einen Namen verpassen. Wenn auch der Begriff "Jungle" für Hybriden aus L. californiae und P. guttatus durchaus schon etabliert ist, wollten wir unseren Tieren einen etwas "spezielleren" Namen geben. Etwas, das die Einzigartigkeit dieser Hybriden definiert. Nach etlichem Grübeln entschlossen wir uns, die dunkle Färbung hervorzuheben und gaben den Tieren den Namen Black Jungles!

Optik der Schlüpflinge

Baby Jungtier Hybrid nach dem Schlupf
Ein Jungtier direkt nach dem Schlupf

 

Die extrem auffällige schwarz-graue Färbung der Neonaten erinnerte stark an Anerythristische Kornnatter-Schlüpflinge. Die Sattelfleck-Anzahl war deutlich erkennbar erhöht gegenüber einer gewöhnlichen Kornnatter (rund 40-45 Stück zwischen Kopf und Kloake. Eine normale Kornnatter hat jedoch im Durchschnitt ca 22-25). Die Form der Sattelflecken ist jedoch wieder sehr Kornnatter-typisch. Die Kopfzeichnung sowie die Sattelfleckzeichnung der Kornnatter haben sich sehr stark genetisch vererbt. Auch das Melanin des Vaters weist eine starke Dominanz auf im Phänotyp. Lateral weisen die Tiere vertikale Streifen auf. Die Grundfärbung ist ein mittelmässiges Grau. Ventral ist auch der Einfluss der Königsnatter-Seite zu sehen. Das typische ventrale "Schachbrett" der Kornnatter ist deutlich verändert, teilweise durch verstärktes Hervortreten der schwarzen Anteile, teils gerade umgekehrt.

Charaktereigenschaften

Bei Schlangen von "Charakter" zu sprechen, das mag manchen "sauer aufstossen", weil gewisse Menschen der Meinung sind, dass Schlangen nur instinktgesteuert sind und sonst gar nichts. Vom Verhalten her erwiesen sich die Black Jungles als sehr angenehm in Handling und Umgang. Eine gewisse ophiophage Neigung war nicht zu bemerken gegenüber Geschwistertieren. Das Schwanzrasseln, was beide Eltern-Arten gerne praktizieren als Warnhinweis ist auch bei den Black Jungles von Schlupf an vorhanden. Insgesamt erwiesen die Tiere sich als eher ruhig, wenig agressiv, nicht bissig. Auch die Fluchtdistanz war nicht sehr gross.

Aufzucht

Bauchseite Hybrid Baby Jungtier Schlüpfling
Bauchseite eines vor wenigen Minuten geschlüpften Jungtieres

Die Aufzucht erwies sich nicht als extrem schwierig, die Schlüpflinge gingen fast alle problemlos ans Futter. von 18 Tieren verweigerten nur drei von Anfang an das Fressen. 5 Tiere waren nur mit allen möglichen Tricks zum Fressen zu kriegen, der Grossteil jedoch nahm ohne jedes Problem die gereichten Mauspinkis an.

 

Die Tiere bekamen direkt ab der ersten Häutung Farbe in die Schuppen. Hauptsächlich eine zarte Lachsfarbe ventral und gelbliche Anzeichen dorsal. Mit jeder weiteren Häutung zeigten sich die Farblichen Unterschiede der Tiere. Wärend dem einige ganz eindeutig ins gelblich-lachsfarbene gingen, entwickelten andere starke Rot-Schattierungen auf dem Rücken innerhalb und ausserhalb der Sattelflecken. Der Bauch blieb bei einigen Tieren deutlich weiss, wärend dem viele Jungtiere eine lachs-rosa Färbung entwickelten.

 

Der Kopf blieb bei sehr vielen Tieren sehr lang kohlrabenschwarz. Erst im Alter von 18 Monaten und später zeigten sich bei einigen Tieren eine Tendenz ins grünlich-braune oder ockerfarbene.

 

Wir konnten einige Tiere ab Futterfestigkeit bei befreundeten Züchtern unterbringen, tauschten gegen andere Hybriden.


Aktuelle Projektplanung

Jahr 2015

Zwei Jahre waren seit Schlupf vergangen, als wir erstmals versuchten, Amun-Ra mit einem Sohn zur Paarung zu bringen. Leider scheiterte dieses Unternehmen und es stellte sich keine Trächtigkeit bei der Kornnatter-Dame ein.

 

Die Hybriddame, welcher wir den Namen Cahita gaben, hatten sich gewichtsmässig noch nicht so entwickelt, dass wir ihnen eine Trächtigkeit zumuten wollten. Kohani erwies sich als Männchen. Daher entschlossen wir uns, das ganze um ein Jahr zu verschieben.

Jahr 2016

Hybrid Verpaarung Projekt
Mutter Amun-Ra mit ihrem Sohn Tano

Ein weiteres Jahr, ein weiterer Versuch zur Verpaarung und somit ein weiterführen des Projektes

 

2016 hat es nun endlich geklappt, wir haben ein Black Supercorn Gelege bekommen. In der Projektbeschreibung nennen wir diese Generation R1C. Dies bedeutet "Rückverpaarung 1 Cornsnake". Also eine Rückverpaarung zwischen Sohn und Mutter.

Da wir bezüglich der Genetik der Mutter auch etwas angeflunkert wurden, wissen wir nicht genau, wie "bunt" die F2 genau sein wird. Es wird also genau so spannend wie bei der Grundverpaarung. Wir rechnen zumindest mit Hypo und Caramel.

 

Update 2017: Das Muttertier erwies sich als Trägerin der Gene Hypo und Caramel sowie Motley/Striped. Die Jungtiere weisen die Kombinationen aus diesen Genen auf. Also Wildfarbene, Caramel, Amber mit jeweils normaler sowie Motley-Zeichnung. Ein Jungtier weist sogar eine klare Motley/Striped-Zeichnung auf. Einzelne Bilder der Jungtiere von 2016 finden Sie hier.

Tewa, unsere Hybriddame legte zwar nur 4 Eier, aber sie sind alle gesund.
Tewa mit ihrem Gelege

Zweite Filialgeneration

 

Nach dem sich Tewa nach einem Geschlechtsirrtum als Weibchen, statt als Männchen entpuppte, legte die Dame am 4. Mai dieses Jahr ihre ersten Eier. Es sind zwar nur vier Stück, aber dafür keine unbefruchteten oder Wachseier.

 

 

Update 2017: Aus den 4 Eiern entwickelten sich leider nur zwei Schlüpflinge. Zwei der Eier starben ab im Lauf der Inkubation. Die beiden Schlüpflinge vom letzten Jahr zeigten sich komplett unterschiedlich. Nebst dem einen Jungtier, welches das typische "Black Jungle" Äussere zeigte, schlüpfte auch ein Tier mit reduziert ausgeprägter Zeichnung. Die Sattelflecke weisen keine Umrandung auf, das immer stärker werdende Melanin wird die Sattelfleckzeichnung wahrscheinlich bald "schlucken". Auch auffällig ist der lackschwarz glänzende Kopf. Diesem hat das Tier auch den Spitznamen "Blackhead" zu verdanken.


weiterer Verlauf des Projekts

Diagramm Hybrid Projekt Kornnatter - Königsnatter
Diagramm Hybridprojekt "Black Jungle"

 

Diagramm Hybridprojekt

 

Ich habe hier die erste Generation und die zweite, welche aktuell (Juli 16) teilweise noch im Inkubator sitzt dokumentiert. Selbstverständlich wird das Diagramm erweitert, wenn die Holdbacks definiert sind.

 

Bei der Hybridzucht ist es unumgänglich und sehr wichtig, einen Stammbaum zu führen. Nur so ist es dem Züchter möglich, die verwandtschaftlichen Grade des Projektes im Auge zu behalten. Die verschiedenen Filialgenerationen (bezeichnet mit F.), Aus- und Einkreuzungen müssen genauestens dokumentiert werden, damit eine eindeutige Übersicht bestehen bleibt. Auch potentiell interessierten Kunden können so die Hybriden mit samt Dokumentation ausgehändigt werden.

 

Ich belasse es bei meinem Projekt bei zwei verschiedenen Gattungen (Pantherophis und Lampropeltis). Ich persönlich halte nicht viel von Mehrfachhybriden. Denn ab einer dreifachen Hybridisierung (zb Pantherophis, Lampropeltis und Elaphe) sind die Tiere unter Umständen genetisch instabil und versterben womöglich frühzeitig. Das Ziel einer Hybridzucht sollte jedoch keineswegs genetisch instabile Tiere sein. Viel mehr geht es darum, optisch ansprechende Tiere zu "generieren", die aber genau so gesund und kräftig sind wie artreine Tiere!


 2017: Wir wollen dieses Jahr die F1-Verpaarung wiederholen, da es letztes Jahr nur zu zwei Schlüpflingen gekommen ist. Da dieses Schlupfergebnis nicht aussagekräftig ist, setzen wir dieses Jahr eine weitere Verpaarung an mit hoffentlich mehr Eiern, mehr Schlüpflingen.